Es wurde ein Konzept für das Outsourcing eines Teiles der Logistik entwickelt.
Anfangssituation:
In einem deutschen Konzernunternehmen mit internationalen Standorten ist die Produktion geprägt durch einen kontinuierlichen Fertigungsprozess. Der Flexibilität der Produktion sind enge Grenzen gesetzt; Produktwechsel sind mit enormen Rüstkosten verbunden. Die von den Kunden erwartete hohe Lieferbereitschaft muss durch die Fertigwarenbestände sichergestellt werden.
Auf dem Werksgelände befinden sich 18.000 m2 Lagerfläche mit ca. 13.000 Stellplätzen. Zwei Außenlager erweitern die Lagerfläche um insgesamt 10.000 m2. Die Lagerauslastung ist mit zurzeit 90%-95% kritisch. Die Diversifizierung des Produktprogramms in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass das Lager auf dem Werksgelände die Anforderungen einer modernen Logistik nur noch eingeschränkt erfüllt. Durch mehrfachtiefe Einlagerung entsteht hier zusätzlicher Handlingaufwand.
Kurzfristig steht der Ausbau der Produktionskapazität um ca. 15% - 20% an. Damit besteht Bedarf für eine erhebliche Ausweitung der Lagerfläche. Mit der bisherigen Strategie würde das zur Anmietung weiterer Außenlagerflächen führen. So entstünden zusätzliche Probleme im Lagermanagement und in der Zusammenführung von Lagereinheiten für Lieferungen.
Vorgehensweise:
Es wurde ein Konzept für das Outsourcing eines Teiles der Logistik entwickelt. Durch die grenznahe Lage kann das Unternehmen bei der Inanspruchnahme von Logistikleistungen von günstigen Lohnkosten profitieren. Zunächst wurde das Produktspektrum analysiert, um zu entscheiden, welcher Teil der Produkte sinnvoll an einen Logistik-Dienstleister übergeben werden kann. Das letztendlich ermittelte Teilspektrum umfasst Produkte mit hohem Kommissionieraufwand. Bei der Fremdvergabe dieses Teilspektrums können die Außenlager komplett aufgelöst werden. Das beim Unternehmen verbleibende Produktspektrum nutzt die vorhandenen Lagerstrukturen effizient.
Das vom Logistik-Dienstleister zu erbringende Leistungspaket soll die produktionssynchrone Abholung und Lagerung der Fertigprodukte und die gesamte Kundenauftragsabwicklung umfassen. Der Logistik-Dienstleister soll selbständig auf Kundenaufträge im SAP-System des Unternehmens reagieren, Lieferungen anlegen, kommissionieren und verpacken, Transporte disponieren und sich auch um die Dokumentenabwicklung bis hin zur Fakturierung kümmern.
Für die Ausschreibung wurden ein Mengengerüst und Prozessbeschreibungen für das Leistungspaket vorbereitet. In einem Kalkulationsblatt wurden Mengengerüst und Prozessschritte zusammengeführt; das Kalkulationsblatt vereinheitlicht die Angebote und ermöglicht den Vergleich von Prozesskosten. Die Ausschreibung wurde einem ausgewählten Kreis von Logistik-Dienstleister zugesendet.
In einem mehrstufigen Selektionsprozess wurden die Anbieter „auf Herz und Nieren geprüft“ Schließlich wurden zwei Anbieter ausgewählt, die hohen inhaltlichen Anforderungen genügen. Mit diesen Logistik-Dienstleistern können nun detaillierte Preis- und Vertragsverhandlungen geführt werden.
Endsituation:
Auf Basis der noch unverhandelten Angebote ergab sich ein Kostenvorteil des Logistik-Outsourcing von 25%. Unterstellte man gehörige Rationalisierungspotenziale im Unternehmen, so verbliebe immer noch ein Kostenvorteil von deutlich mehr als 10%. Die einmaligen Realisierungskosten können in etwa zwei Jahren amortisiert werden.
Dauer: Sechs Monate
Erreichte Ziele:
Konzept für das Outsourcing von Logistikleistungen, Ausschreibung der Logistikleistungen, fachlich-inhaltliche und kostenbezogene Plausibilitätsprüfung der Angebote und Vorauswahl der Logistik-Dienstleister als Startpunkt für die Vertragsverhandlungen, Kostentransparenz für die Logistikleistungen im Unternehmen.
Prof. Dr.-Ing. Peik Bremer, BayTech CLE